Letztehin sind wir über einen seltsamen Begriff gestolpert, oder vielmehr eine Freundin von mir, eine versierte Buddhistin, hat sich an diesem Begriff gestossen. Den Begriff „erleuchtete Konzepte“ habe ich gebastelt. Ich meinte damit, das Konzept einer Meditationsgottheit, wie es ein tibetischer Meister visionär beschreibt, mit den entsprechenden Einweihungen und Sadhanas, welche der Verehrung dieser Gottheiten dienen. Im speziellen bezog ich mich auf den Meister Pawo Dorje Umapa, den Lehrer und Freund von Je Tsongkhapa. Dieser Gelehrte, der ein Verehrer des Manjushri war, schuf einen Zyklus von Einweihungen, den „Zyklus des Manjushri“. Es heisst, er erhielt diese Einweihungen von Manjushri selbst, mit dem er sich direkt unterhalten konnte. Meister Umapa beschrieb diese Gottheitverehrungen nicht in allen Einzelheiten, das taten spätere Meister, er stellte sie eigentlich nur als Konzepte vor, als „erleuchtete Konzepte“.
Erleuchtung und Konzepte, das passt nicht zusammen! Das störte meine Dharmafreundin. In der Erleuchtung gibt es keine Konzepte. Oder solange man an Konzepten festhält, gibt es keine Erleuchtung. Eigentlich besteht Erleuchtung darin, dass man konzeptuelles Denken überwindet. Ich beschrieb diese Gedanken meinem Lehrer. Er hörte sich alles genau an und bestätigte die Gedankenschlüsse, sagte aber zum Schluss, dass er mit dem Begriff keine Probleme hätte, solange nicht von „negativen Konzepten“ die Rede sei.
Es gibt negative Konzepte, Positive und neutrale. Negative Konzepte währen, wenn man an Permanenz festhält, oder davon ausgeht, das Ursachen keine entsprechenden Auswirkungen hätten, oder die Welt von einem höheren Wesen erschaffen wurde. Neutrale Konzepte sind vielleicht die Wochentage, die Jahreszeiten oder die Neunuhr Pause. Sie sind weder gut noch schlecht, schaden nicht und sind einfach da.
Positive Konzepte sind wohl das Nirvana, Bodhicitta, die Stufen zur Erleuchtung. Wir beschäftigen uns mit der Leerheit, wir hören zu Füssen des Lehrers wie er die Leerheit erläutert, wir denken darüber nach, lesen Bücher, diskutieren mit Dharmafreunden und bekommen langsam ein Bild von der Leerheit, das immer klarer wird. Natürlich erkennen wir Leerheit nicht direkt, wir haben nur ein Konzept der Leerheit, vielleicht ein sehr gutes Konzept, aber eben nur ein Konzept. Wir werden dieses Konzept in der Zukunft durch unsere Praxis verbessern und verfeinern, bis es unsere Sicht der Realität ist, bis das Konzept zerreisst und wir die letztendliche Realität erkennen. Nun beginnt der Weg zum letztendlichen Ziel. Das ist natürlich nur ein Konzept. Alles was zu diesem Ziel führt, alle Methoden, Meditationen, Yogas, Vollendungsstufen und Praktiken, sind Konzepte, erleuchtete Konzepte! Solche Konzepte hat Meister Umapa in seinem Zyklus geschaffen! Sie dienen dazu alle Reste der negativen Konzepte zu eliminieren und selbst den höchsten Zustand zu erlangen.
Könnte man „erleuchtete Konzepte“ in diesem Zusammenhang verstehen?
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