Freitag, 9. September 2011

Bodhicitta 2: Wie lauteres Gold

Das Wesen, das einst Buddha Shakyamuni, der Buddha unserer Zeit werden sollte, war unterdessen wohl ein Meditationsmeister geworden. Auf dem Pfad der Ansammlung ist es die Hauptaufgabe, ein heilsames Potenzial aufzubauen. Unsere Sicht der Realität ist getrübt von den Resultaten unserer unheilsamen Handlungen in früheren Leben. Unser ganzes Sein, unsere Aggregate, unser Körper, Geist, Gefühle, unser Unterscheidungsvermögen und unser bedingtes Tun, ist geprägt von diesen groben Taten der Vergangenheit die zu Leiden führen. Es verzerrt unsere Sicht der Realität und wir begehen unweigerlich weitere unheilsame Handlungen, die immer und immer wieder zu anhaltendem Leiden führen. Wenn wir mit unserem Karma nicht zufrieden sind, müssen wir unser Verhalten ändern. Wir müssen gute Menschen werden, dann werden die Resultate unserer Handlungen zufrieden stellend sein.

Bodhicitta 1: Wie die Erde

Einst war der Buddha ein Mensch der in einer Welt wie der unserigen lebte, einer Welt in einer anderen Zeit, einem anderen Weltsystem, das vielleicht schon vor vielen Äonen unter gegangen ist. Er war ein Mensch, wie die meissten von uns. Vielleicht führte er unten an der Strasse einen Reformkostladen und besuchte einmal in der Woche, jeweils am Abend einen Meditationskurse. Viele male, unzählige male wurde er schon geboren, als Mensch, als Tier, als Dämon, in einem Bereich des unendlichen Leidens, oder als glückliches Wesen in einem Paradies. Er war eine Ente, ein Löwe, ein Hase, ein Mistkäfer, ein Fisch im Ozean, ein Blutsauger, ein Hungergeist oder gar ein Drache, ein grosser Zauberer, ein König oder ein Bettelmönch. Er weilte im Wasser, im Feuer, am Himmelszelt, auf der Spitze der Existenz und bald in der tiefsten Avici-Hölle.

Sonntag, 3. Juli 2011

Prajnaparamita 1: Das Dreifache Drehen des Rades

Als der Buddha auf Erden weilte, lehrte er den Dharma in drei wichtigen Lehrkomplexen, man spricht vom dreimaligen Drehen des Dharma-Rades (Chökor). Die erste Drehung war die erste Belehrung vor den fünf Schülern in Sarnat. Hier sprach er vor allem über die vier edlen Wahrheiten. Er erklärte, dass das Leiden allgegenwärtig und alles durchdringend ist, das ist die Wahrheit des Leidens. Dann lehrte er, dass wir dem Leiden ausgesetzt sind, weil wir nicht verstehen, wie die Phänomene um uns existieren. Das ist die Ursache des Leidens, die Wahrheit der Ursachen. Er erklärte, dass es aber möglich ist das Leiden zu überwinden, indem man die Wirklichkeit der Phänomene erkennt. Das ist die Wahrheit des Beseitigens. Schlussendlich lehrte er den Pfad, der zur Beseitigung des Leidens führt, die Wahrheit des Pfades. Diese vier Wahrheiten sind die eigentliche Basis des Buddhismus.

Samstag, 21. Mai 2011

Buddhismus

Der Verfasser dieser Zeilen ist ein Anhänger des Buddhismus, des Buddhismus tibetischer Prägung, im speziellen der Gelug-Tradition. Mein Lehrer ist der Ehrwürdige Lodrö Rinpoche, ein Tulku aus Osttibet, aus einem Kloster am Ende der Welt. Von ihm habe ich sehr viele Lehren erhalten, viele Einweihungen und Segen und er wurde mir ein wahrer spiritueller Freund.

Als Kind, habe ich an einer Kinderparty, welche der Arbeitgeber meines Vater, für die Kinder der Angestellten organisierte, einen wunderschönen Puppentrickfilm gesehen. Kinderfilme waren zu dieser Zeit eher selten, Fernsehen gab es noch nicht, jedenfalls nicht für breite Kreise. Der Film zeigte eine Liebesgeschichte zwischen einer Puppe und einem hölzernen Nussknacker, die sich im Tohawabohu eines Kinderzimmers finden. An die genaue Geschichte kann ich mich nicht erinnern. Im Wohnzimmer gab es eine kleine, exotische Buddhastatue, wie wir sie kennen, vielleicht aus Thailand, ein Ruhepunkt im Durcheinander.

Als sich die Puppenkinder schliesslich umarmten, mussten sie enttäuscht feststellen, dass sie nur Puppen waren, die nicht zueinander passen. Ihr Leid ob dieser Unzulänglichkeit war gross. Da erhob sich der kleine Buddha von seinem Lotussitz, kletterte von der Kommode herunter, ging zu dem traurigen Paar und baute sich vor ihnen auf. Er machte einige magische Bewegungen und schon wurde aus dem ungleichen Paar, der Holzpuppe und dem Nussknacker, ein Prinz und eine Prinzessin, die sich jetzt lieben konnten, wie im richtigen Leben.

Das war wohl eine meiner ersten, eindrücklichen Begegnungen mit dem Buddha. Seither habe ich bei vielen Lehrern und vor allem dem verehrten Lodrö Rinpoche einig Dinge dazu gelernt. Der Prinz und die Prinzessin mögen jetzt viele Enkelkinder haben, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und Märchenfilme schauen, die sie als ganz real ansehen.