Der Verfasser dieser Zeilen ist ein Anhänger des Buddhismus, des Buddhismus tibetischer Prägung, im speziellen der Gelug-Tradition. Mein Lehrer ist der Ehrwürdige Lodrö Rinpoche, ein Tulku aus Osttibet, aus einem Kloster am Ende der Welt. Von ihm habe ich sehr viele Lehren erhalten, viele Einweihungen und Segen und er wurde mir ein wahrer spiritueller Freund.
Als Kind, habe ich an einer Kinderparty, welche der Arbeitgeber meines Vater, für die Kinder der Angestellten organisierte, einen wunderschönen Puppentrickfilm gesehen. Kinderfilme waren zu dieser Zeit eher selten, Fernsehen gab es noch nicht, jedenfalls nicht für breite Kreise. Der Film zeigte eine Liebesgeschichte zwischen einer Puppe und einem hölzernen Nussknacker, die sich im Tohawabohu eines Kinderzimmers finden. An die genaue Geschichte kann ich mich nicht erinnern. Im Wohnzimmer gab es eine kleine, exotische Buddhastatue, wie wir sie kennen, vielleicht aus Thailand, ein Ruhepunkt im Durcheinander.
Als sich die Puppenkinder schliesslich umarmten, mussten sie enttäuscht feststellen, dass sie nur Puppen waren, die nicht zueinander passen. Ihr Leid ob dieser Unzulänglichkeit war gross. Da erhob sich der kleine Buddha von seinem Lotussitz, kletterte von der Kommode herunter, ging zu dem traurigen Paar und baute sich vor ihnen auf. Er machte einige magische Bewegungen und schon wurde aus dem ungleichen Paar, der Holzpuppe und dem Nussknacker, ein Prinz und eine Prinzessin, die sich jetzt lieben konnten, wie im richtigen Leben.
Das war wohl eine meiner ersten, eindrücklichen Begegnungen mit dem Buddha. Seither habe ich bei vielen Lehrern und vor allem dem verehrten Lodrö Rinpoche einig Dinge dazu gelernt. Der Prinz und die Prinzessin mögen jetzt viele Enkelkinder haben, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und Märchenfilme schauen, die sie als ganz real ansehen.